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Jagdliches Brauchtum und Jugend

"Tradition besteht im Bewahren des Feuers und nicht im Anbeten der Asche", meinte der Komponist Gustav Mahler. Das gilt nicht nur für die Musik, sondern im Besonderen für die Bräuche der Jäger. Die Jagd und damit ihre Ausübung sind so alt wie die Menschheit selbst. Keine andere Gruppe von Menschen kann auf eine so ausgeprägte und lange Kontinuität ihres Tuns verweisen. Das Wort "Brauchtum" beinhaltet das Zeitwort "brauchen". "Brauchen" (mhd.: bruchen) ist mit dem lateinischen Ausdruck für "genießen" (frui) verwandt. Die Grundbedeutung ist "Nahrung aufnehmen", aus der sich die allgemeine Bedeutung "in Genuss von etwas sein, an etwas teilhaben, anwenden bzw. verwenden" entwickelte (siehe Etymologisches Wörterbuch).

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Brauch: Lebensnotwendig wie das Essen
Mit dem Wort "Brauch" beschrieb man im Mittelalter den allgemeinen Wortsinn von "Nutzen", im 16. Jahrhundert schränkte sich die Bedeutung des Wortes "Brauch" auf "Sitte, Gewohnheit einer Gemeinschaft" ein. In ihrer ursprünglichen Bedeutung sind also Bräuche so lebensnotwendig wie das Essen. Beide befriedigen Grundbedürfnisse des Menschen.

Halt und Gleichgewicht
"Es muss feste Bräuche geben", sagte der kleine Prinz von Saint-Exupéry und spricht damit das Grundbedürfnis der Menschen nach seelischem Halt und Gleichgewicht an. Das Grundbedürfnis erstreckt sich aber auch auf Regeln, die das Zusammenleben gestalten (z.B. Gesetze), die Ausdruck von Freude sind (Feste). Wir Jäger haben aber auch Bräuche, um die Ehrerbietung gegenüber dem Schöpfer und dem Geschöpf auszudrücken (Hubertusmessen, Verblasen der Strecke, letzter Bissen...). Ebenso sagt uns der Brauch, wie wir Tätigkeiten des jagdlichen Lebens (Schießen, Aufbrechen etc.) ausüben sollen.

Jäger
Der Jäger nimmt seit Anbeginn der Menschheitsgeschichte einen besonderen Platz bzw. eine besondere Stellung in der Gesellschaft ein (ganz am Anfang waren Jäger und Gesellschaft ident, erst im Laufe der Menschheitsgeschichte entwickelten sich mehrere gesellschaftliche Gruppen). Der Wirkungsbereich des Jägers - das Revier - verbunden mit dem ständigen Erleben des ewigen Werdens, Seins und Vergehens in der Natur, begeisterte und berührte immer schon große Kreise der Gesellschaft. Aber erst das jagdliche Brauchtum macht den Jäger zu dem, was er ist. Einen Mensch, der eingebettet in Tradition und Brauchtum im gesellschaftlichen Leben fest verankert ist und der sein verantwortungsvolles Tun auch immer wieder ethisch hinterfragt.

Im Leitbild der Kärntner Jägerschaft bekennen sich die Jäger dazu, dass sinnvolles jagdliches Brauchtum ein dynamischer Prozess des Sichentwickelns ist. Und genau damit beschäftigt sich der Brauchtums- und Jugendausschuss der Kärntner Jägerschaft. Brauchtumsträger sind vor allem die Jäger sowie Falkner, Hundeführer, Jagdhornbläser, Sänger.

Jagdliches Kulturgut und gelebtes Brauchtum
Die Neubenennung des Ausschusses in Brauchtums- und Jugendausschuss zeigt einen weiteren dynamischen Prozess der Entwicklung des Brauchtums. "Die Weitergabe unseres jagdlichen Kulturgutes und gelebten Brauchtums an nachkommende Generationen betrachten wir als Verpflichtung." Neben jagdkulturellen Veranstaltungen, die im ganzen Land gepflegt werden, gehen die Jäger bewusst einen Schritt auf unsere Jugend zu. In vielen Bezirken ist der Besuch des Jägers in der Schule oder ein Lehrausgang im Revier fixer Bestandteil des Schuljahres geworden. Alleine in Mageregg können wir uns jährlich über 632 Kinder freuen, die hier in interessanter und liebevoller Art mit Jagd und Brauchtum vertraut gemacht werden.

Angewandtes Brauchtum
Weiters beschäftigt sich der Brauchtums- und Jugendausschuss mit Fragen des gelebten und angewandten Brauchtums. Aus jedem Bezirk fließen die Meinungen ein und nach breit angelegter Diskussion erarbeitet dieser Ausschuss Leitfäden. Ausgearbeitet sind bereits Vorschläge für das Jägerbegräbnis und das "Zum-Jäger-Schlagen". Diese Berichte werden in einem der nächsten "Kärntner Jäger" veröffentlicht.

Erlebbarmachen des Brauchtums
Zum Abschluss noch ein Überblick, der uns zeigt, wie wertvoll und wichtig uns Jägern das Leben und Erlebbarmachen des Brauchtums ist. Folgende Brauchtumsveranstaltungen finden landauf, landab statt: diverse kulturelle Veranstaltungen, Hubertusmessen, Jägerbälle, Sonnwendfeiern, Abwurfstangenschauen, Begräbnisfeierlichkeiten, Falknerei, Dreikönigsblasen der JHBG, Hegeringschießen, Hundeausstellungen und -prüfungen, Jägerchöre, Jägerstammtische, Waldlehrpfade u.v.m. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an alle Mitgestalter, die durch ihre Arbeit Brauchtum lebendig erhalten. Pflegen wir weiterhin unsere Bräuche, bauen wir Brücken zur Jugend und setzen wir positive Zeichen bei der nichtjagenden Bevölkerung. Erfüllen wir die Grundbedeutung des Wortes "Brauch" als "Nahrung aufnehmen" mit kräftigem Leben und decken wir damit ein Grundbedürfnis ab.

Autorin: Claudia Haider